Am 15. Oktober 2012 eröffneten wir unsere neue deutsch-tansanische One World Secondary School Kilimanjaro mit einem Vorkurs in Kisangara/Tansania. Dies war nur möglich durch die großzügige Hilfe, die wir von unseren Spendern erhalten haben. Dafür danke ich als Schulleiter allen Spendern sehr herzlich.

Wir fingen mit 17 Schülerinnen und Schülern an. Es kamen aber bald noch fünf weitere hinzu. Die Kinder sind sehr motiviert, äußerst interessiert, nur wenige schüchtern. Die meisten gehen offen auf uns zu. Sie benehmen sich sehr gut, haben große Hochachtung vor Lehrkräften. „Mwalimu“ (Lehrer) ist ein Ehrentitel in Tansania.

Es sind einige Jugendliche dabei, die schwere Schicksalsschläge erleiden mussten, z.B. Verlust beider Eltern durch AIDS. Viele sind Kinder alleinerziehender Mütter, die manchmal für bis zu fünf Kinder sorgen müssen und das Schulgeld nicht bezahlen können. Wir wollen ihnen allen eine gute Chance geben. In letzter Zeit kamen öfters Eltern mit geringem Einkommen aus ganz entlegenen Bergdörfern und meldeten ihre Kinder an. Wir haben ihnen eine Gebührenermäßigung gewährt. Die Mutter eines der Mädchen trug deren gesamtes Hab und Gut in einem großen Plastikgefäß auf dem Kopf.

Unser Programm für den Vorkurs sieht folgendermaßen aus:

Wochenstunden
Mathematik 12
Englisch 4
Grundwissen: Naturwissenschaften, Geschichte, Geographie und Sozialkunde 6
Lernen lernen 4
ICT 2
Projekte 8
Sport 4
Summe der Wochenstunden 40

An unserer deutsch-tansanischen One World Secondary School Kilimanjaro unterrichten drei deutsche Lehrkräfte als Ehrenamtliche –  Hella Diekmann, Karl-Heinz Köhler und Jan Rauch – sowie zwei tansanische Teilzeitkräfte (Wilson Kivuyo und Peter Lyimo). Dazu kommen noch zwei „pädagogische Assistenten“ (Swantje Köhler und Robert Schoevaart – ebenfalls ehrenamtlich).  Zwei Lehrer sind jung, zwei bereits im Ruhestand und einer ist im mittleren Bereich – eine gute Mischung.

An unserer Schule gibt es keine Klingel, die brutal die Zeit zerhackt. Wie in vielen tansanischen Schulen üblich haben wir einen Timekeeper. Das ist ein Schüler, der der Lehrkraft ein diskretes Zeichen gibt, dass nun die Stunde zu Ende ist, und der nach Zustimmung des Lehrers schwungvoll eine alte Messingglocke läutet.

Einen Schulsong haben wir auch schon. Er wurde in den Tagen vor der Eröffnung der Schule von Hella Diekmann und Robert Schoevaart nach der Melodie von „Oh, Masala“ gestaltet. Vor dem Unterricht versammeln sich die Schülerinnen und Schüler vor dem Klassenzimmerbau und schmettern mit Begeisterung ihren Schulsong.

Wir machen unsere Schülerinnen und Schüler schrittweise mit modernen Unterrichtsmethoden vertraut. Das geht überraschend gut. Wir stellen bei ihnen nicht nur eine beachtliche Offenheit für neue Wege des Lernens fest, sondern beobachten auch, dass die Jugendlichen diese Möglichkeiten gerne wahrnehmen, da sie ihrer Entdeckerfreude, ihrem Wissensdurst und Lernwillen entgegenkommen. Bisher praktizieren wir bereits Gruppenarbeit und Projektunterricht, wobei dieser auch in den Vormittagsstunden stattfindet.

Eine Besonderheit unseres Stundenplanes ist Relaxing/Games direkt nach dem Mittagessen zwischen 13:20 und 14:00 Uhr. Damit wollen wir einerseits das nach dem Essen übliche Leistungstief auffangen. Die Schülerinnen und Schülern haben in dieser Zeit eine Reihe von Möglichkeiten: Lernspiele und andere Spiele, Chatrunden mit einer Lehrkraft, Zeitungslesen etc. Da bei uns der „normale“ Unterricht z.T. bis 16:20 Uhr geht, brauchen die Schüler solch eine Erholungsphase, um danach wieder voll leistungsfähig zu sein. In dieser Zeit erhalten einzelne Jugendliche entsprechend ihren individuellen Lernplänen Einzelunterricht in Mathematik und Englisch.

Wir haben nicht nur Ganztagesunterricht, sondern sind auch eine Internatsschule. Alle unsere Schülerinnen und Schüler leben im Internat. Somit haben wir die Möglichkeit einer Studienzeit, die zwischen 17:00 und 18:15 Uhr stattfindet. In dieser Zeit erledigen die Jugendlichen unter Aufsicht Hausaufgaben. Danach dürfen sie sich ein Buch aus unserer neuen Bibliothek ausleihen und darin schmökern. Sie lieben das sehr. Manche fertigen sogar eifrig Exzerpte an. Bei den meisten kann man noch die ursprüngliche Faszination durch das Buch erkennen.

Interkulturelles Lernen ist ein wichtiger Aspekt unserer deutsch-tansanischen Schule. Es steht z.B. im Zentrum eines Projektes, in dem unsere Schüler mit Jugendlichen einer Nürnberger Schule zu bestimmten Themen E-Mails austauschen. Aber auch das gemeinsame Feiern religiöser Festtage dient dem interkulturellen Lernen. So feierten am letzten Freitag unsere Lehrkräfte und Jugendlichen zusammen mit der benachbarten Grundschule das muslimische Eid-Fest. Nach der Tea Break, zu der kleine, in Öl gebackene Kuchen gereicht wurden, gab es Präsentationen und Erläuterungen zu dem Feiertag. Anschließend wurde gemeinsam ein Ziegenbock verspeist, den Eltern gestiftet hatten. In ähnlicher Weise wollen wir in der Vorweihnachtszeit gemeinsam feiern.

Das Schulleiterhaus, das wir gemietet haben, ist fertig, aber ich habe es aus Kostengründen als „Multifunktionshaus“ definiert. In ihm ist mein offizielles Büro, außerdem wohnen auch zwei Lehrkräfte in dem Haus, so dass ich nun auch noch das WG-Leben ausprobieren kann. Wir verstehen uns alle sehr gut.

Es ist noch über ein Ereignis zu berichten, das mir viele Sorgen nahm: Das tansanische Bildungsministerium hat uns im Rahmen des mehrstufigen Zulassungsverfahrens den ersten Teil der Zulassung gewährt!!! Die restlichen Teile sollten nun kein Problem mehr sein.

 

Gruppenarbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Schüler spielen Fußball auch in der größten Hitze!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch die Mädchen lieben Sport

 

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Dr. Karl-Heinz Köhler

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